Textausschnitte:
„Alles Schlüter“
Marcos Schlüter
Co-Autor: Bernd von Fehrn

v v g
Teil I / Text 2
VATER PRCYBYLLA
Neues aus der Männergruppe
| Vater: |
Mann o Mann, wat war dat denn für eine Type.
(zu einem Mann im Publikum)
Hör mal hier, dich kenne ich doch? Gleich als ich rauskam, hab ich gedacht, leck mich am Arsch, die blöde Fresse kennste doch irgendwoher. Du bist doch in meine Männergruppe. Ist die Schnalle da neben dir, deine Freundin über die du immer redest? Hab ich mir jetzt ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt.
Damit jetzt hier kein falscher Eindruck entsteht, ich bin da natürlich nicht freiwillig in die Männergruppe - bei diesen Weicheiern. Dat war ein Ultimum von meine Frau. Nicht, dass sie jetzt denken, ich schlage meine Frau. Nee, dat mach ich nicht. Ich sag immer: Heb niemals die Hände gegen eine Frau – dat öffnet den K.O.- Punkt. Und davon mal abgesehen – Frauen schlagen – ist wie Zwerge werfen. Sind doch meistens keine ernst zu nehmenden Gegner – dat macht doch keinen Spaß.
Nee, se wollte mich verlassen. Dat wollte ich natürlich nicht: Wer schneidet denn dann meine Fußnägel? Wer macht mir Badewasser? Wer bügelt meine Unterhosen? Wer drückt meine Pickel am Rücken aus? An wem lass ich meine schlechte Laune aus? Wer staubt meine Kronkorkensammlung Zacken für Zacken ab - mit de Zahnbürste? Wer holt mich Sonntagnachmittag aus de Kneipe ab, wenn ich nicht mehr fahren kann – mit de Schubkarre.
Näää, da kann ich noch mal ganz von vorne anfangen eine Frau zu erziehen. Wissen se eigentlich, wie lange dat gedauert hat, bis an der Kronkorken in keinem Zacken mehr Staub war? Bis dat Wienerschnitzel richtig paniert und kleingeschnitten war? Dat war auch nicht einfach für mich... Se war nicht so schnell beim Lernen, dat hat oft Tränen gegeben.
Und ich hab sie trotzdem behalten. Weil ich gemerkt hab, sie gibt sich Mühe, se kann einfach nicht schneller lernen. Ne funktionierende Frau im Alltag ist wichtig.
Wie sagte der Goethe noch: Die Frau bleibt Dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.
Aber nicht, dass se denken, ich nutze meine Frau aus. Ich bin auch sehr gut zu ihr. Se darf im Bett schlafen, jut, wenn der Hund nicht will, sie kriegt Muttertag, Weihnachten und am Geburtstag ne Schachtel „Ferrero Rocher“ (deutsch ausgesprochen) und am Valentinstag kriegt se die Fernbedienung – wenn ich dran denke.
Aber die kriegt den Hals nicht voll, die ist zu verwöhnt. Die ist nur noch am Meckern und Jammern: ich bin nicht aufmerksam genug, sagt se, ich hab keinen Respekt, beim Sex täte ich nicht an sie denken, et Vorspiel täte fehlen: Vorspiel, die hat se doch nicht mehr alle. Dat is wat für verweichlichte Föhnfrisurträger, die nie gedient haben, aber nicht für echte Männer. Da hab ich keine Zeit für. Ich mein, wenn die nen Orgasmus hat, da sitz ich längst wieder angezogen vorm Fernseher und gucke Sportschau.
Ich hab einfach ein anderes Timing und wat heißt, ich täte nicht an sie denken. Ich kauf mir doch nicht für teuer Geld Tittenbilder von Pamela Anderson (deutsch ausgesprochen) und denke dann beim Sex an meine Frau. So dicke habe ich es auch nicht.
Ich glaube da sowieso nicht dran, dass Frauen einen Orgasmus kriegen können – ich habe dat jedenfalls noch nie erlebt. (zu dem Mann aus dem Publikum) Du doch auch nicht, haste in die Gruppe gesagt.
Dat is alles Propaganda, um uns Männer zu verunsichern - meine Meinung.
Dat iss so ein Mythos, wie dat Hartz-4-Empfänger arbeiten wollen, oder dat dat Christkind, an Heiligabend der Baum schmückt, oder dat Monica Lierhaus wat vom Fußball versteht.
Ich sag ja immer: Frauen- du kannst nicht mit ihnen leben und du kannst nicht mit ihnen leben.
Genau genommen, gibt et dat ganze Theater mit meiner Frau, seit die bei dieser Krötenwanderung mitmacht. (fragt wieder den gleichen Mann im Publikum) Hieß dat Krötenwanderung? Ach nee, Frauenbewegung. Egal ist dat selbe. Seitdem is die so empfindlich, dauernd regt sie sich auf, über beschissene Kleinigkeiten:
Ich wollte z.B. mal ein paar Kilo abnehmen. (zum Publikum) Dat sehen sie ja, dat ich auf mein Äußeres achten tue.
Jedenfalls stand in der Bild am Sonntag als Diät-Tipp, man soll ein unvorteilhaftes Foto von sich an de Kühlschranktür hängen. Kennste ja, Du gehst zum Kühlschrank, um dir nen Harzer Roller oder ne Salami zu holen und dann siehste, dat abstoßende Foto auf der Tür, auf dem Du total fett und hässlich bist und schon biste pappsatt und hast überhaupt keinen Hunger mehr.
Dat hat mir total eingeleuchtet, und damit der Effekt auch richtig knallt, hab ich ein Foto von meine Frau auf die Tür geklebt. Da war se schon wieder am Heulen. Dat is doch nicht normal, wie empfindlich die is.
Sie sagt, ich wäre gemein, sie wäre im besten Alter und sie hätte eine ne Top-Figur und sähe noch aus wie der Frühling. Da hab ich zu ihr gesagt: „Wie der Frühling? Eher wie dat Ende von einem sehr sehr harten Winter“. Da war sie schon wieder eingeschnappt. Die verträgt die Wahrheit nicht.
Ja, entschuldige mal: Top-Figur, wenn ich mit der ins Taxi steige, fährt uns der Taxifahrer schnurstracks in die nächste Geburtsklinik und von wegen bestes Alter - an ihrem letzten Geburtstag im Dezember konnten wir mit den Kerzen auf der Torte die Wohnung heizen. Ich hab dat Foto natürlich direkt entfernt. Ja, klar, wenn es sie verletzt. Ich bin doch kein Unmensch. Mein Lebensmotto war schon immer: Nehmen und Geben lassen, ich mein Leben und Leben lassen.
Ich hab also dat Foto umgehend entfernt und hab ein Foto von unsere Kinder, René und von unsere Jüngste Mandy hingeklebt. Seitdem habe ich 85 Kilo abgenommen. In meine alte Jogginghose wohnt jetzt ne Aussiedlerfamilie mit zwei kleinen Kindern.
Nee, ehrlich, dat mit dem Foto von die Kinder, war ne super Idee: Zwei Fliegen mit einer Klappe. Wenn ich jetzt abends zum Kühlschrank gehe, vergeht mir der Appetit und gleichzeitig haben wir ein preiswertes Verhütungsmittel.
Ich könnte mir vorstellen, dat die Kinder auch der eigentliche Grund für die Unzufriedenheit von meine Frau sind.
Ja, die Kinder,... Ich sag mal so: et gibt Menschen, die bringen Freude ins Haus und es gibt Mandy und René. De Mandy ist unser Sorgenkind, dat war kein hübsches Kind, wirklich nicht: Meine Frau hat sich so geschämt, dat die der Mandy als Baby immer Gesicht und den Popo in Pampers eingepackt hat. Und ich habe überhaupt erst als se 6 Jahre wurde gemerkt, dat et sich nicht um Zwillinge handelt, so kräftig war die.
Aber unser René war ganz anders, der kommt auf mich, der sah so putzig aus in seinem rosa Matrosenanzug und der ist so ein fleißiger und sparsamer Junge. Der hat sich schon mit 9 Jahren selber ein Fahrrad vom Mund abgespart – als er mit dem Rauchen aufgehört hat und der war auch überhaupt nicht eifersüchtig, als de Mandy geboren wurde, der war so lieb zu seine kleine hässliche Schwester, der hat ihr von seinem Taschengeld Badespielzeug gekauft, nen Toaster und auch noch einen Föhn.
Echt, der René ist schwer in Ordnung. Jut, zum Fußball konntest du jetzt nicht mit ihm gehen, weil er immer alle Männer decken wollte – auch den Torwart, den Trainer, den Platzwart und sogar die eigenen Mitspieler. Aber wat soll et. Für Enkel braucht der ja nicht sorgen, wir haben ja noch die Mandy. Und somit 5 Enkel von Vätern aus 6 verschiedenen Nationen. Dat bringt Internationalität in de Familie. Unsere Familie könnte alleine „Spiel ohne Grenzen“ ausrichten... Dank der Mandy...
Auweia, jetzt hab ich mich verplappert, ich sehe gerade is ja schon nach acht. Ich muss in meine Männergruppe. Mer sprechen heute über die Klitoris, Knaus Ogino und Klimakterium. Dat ist wichtig. Ich wusste doch vorher gar nicht, wat man sich beim Sex alles für Krankheiten holen kann.
(zu Mann in Publikum) Bis gleich.
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RIK
Rückkehr der Rampensau
Es ist tatsächlich „Alles Schlüter“, was beim gleichnamigen Programm auf der Bühne zu erleben ist, und doch könnte man glauben, es mit fünf verschiedenen Personen zu tun zu haben. Comedian Marcos Schlüter alias René Gligée beweist eindrucksvoll seine Wandlungsfähigkeit, in dem er nicht nur als „hässlichste Tunte der Welt“ im TV-Studio von seinem neuen Job erzählt. Nach und nach lernen die Zuschauer gleich die gesamte Verwandtschaft seines Alter Ego kennen.
Allen voran Renés Vater Willy Prczybilla, Rentner aus Castrop-Rauxel, der in einer Art Mischung aus Horst Schlämmer und Herbert Knebel jedem ungefragt die Welt erklärt und dabei seine „unwiderstehliche“ Wirkung auf Frauen spielen lässt. Auch Schwester Mandy ist dabei, ein Vorstadt-Teenie im schönsten Proll-Outfit, die ganz spezielle Geografiekenntnisse demonstriert: „Mein Ex war Pole, oder wo liegt Dresden?“ Das genervte Model Heidi Klum castet Zuschauer bei der Wahl zum „Super-Moppel“, und anschliessend bittet Psychotherapeut Dr. Leid zur Gruppentherapie. Gerade diese leisere Nummer mit gedrosseltem Tempo begeisterte das Publikum. Der Abend endet mit in René Gligées neuen Job als Berater bei „Astro NRW“-TV, der mittels Memory-Karten den Anrufern auf seine ganz besondere Art und Weise „hilft“ – und dabei ausgerechnet von seiner Mutter gestört wird.
Fazit: Ein Riesenspaß mit Marcos Schlüter in Bestform, dessen große Stärke immer wieder das spontane Spiel mit dem Publikum ist.
Nicht verpassen!
„April April“
April Hailer
Co-Autor: Bernd von Fehrn
Ein volkstümliches Medley
Mitwirkende: April als Carmen Dunst
April als Maria Mösl
April als Lorena Cassi
April als Heide Schnuck und die Lüneburger Heid-e/Kohlmeisen
Jingle,
April stellt sich mit stoischer Miene und leicht schräg gehaltenem Kopf vor die Zuschauer. Ein Arm hält sie dabei wie in Gips hängend angewinkelt vor den Bauch, der andere hängt völlig unbeweglich herunter.
CN ihr Sächseln unterdrückend: Herzlich willkommen, liebe Zuschauer und Zuschauerinnen, zu einer neuen Ausgabe unsere beliebten Reihe: „Heimat, wie sie singt und klingt“: Und man glaubt es kaum, liebe Zuschauer und Zuschauerinnen, das ist heute unsere Jubiläumssendung, denn wie feiern heute unsere 850. Folge. Und die begehen wir natürlich wieder hier in der wunderschönen Turnhalle zu Erfurt, wo wir 1989 ja auch unsere Premierensendung, damals noch unter dem Titel „Heimat – hüben und drüben“ produziert haben. In diesem Sinne: Hallo Erfurt. Aber jetzt spanne ich sie nicht länger auf die Folter und komme zur Auflösung unseres tollen Gewinnspiels aus der letzten Sendung vom 3. Mai. Das Lösungswort musste natürlich „MONIKA“ heißen. Ja... „MONIKA“ – das war gar nicht so einfach, aber trotzdem haben wir unglaublich viele Postkarten bekommen, insgesamt... jetzt halten sie sich fest... 850.000 Postkarten. Davon sage und schreibe 50.000 mit der richtigen Gewinnantwort. Und hier, liebe Zuschauer und Zuschauerinnen, halte ich den oder die GewinnerIn in der Hand (hat Postkarte). Also, jetzt wird’s aber spannend. Der Gewinner oder die Gewinnerin kommt aus... moment mal Heiligenrat... es könnte aber auch Herkenrat heißen... oder Helgoland. Aber die Postleitzahl wird uns da genaue Auskunft geben. Das ist nämlich die 45708... oder 00, das kann man schlecht lesen. Aber auf jeden Fall steht vorne eine 4.... ... es könnte auch eine 9 sein. So, jetzt wird’s aber spannend. Der Gewinner oder die Gewinnerin einer Reise nach Helgoland mit Besuch des roten Felsen und einer Gratis-Pulprobe im Krabbenmuseum, inklusive einer Übernachtung in der idyllischen Jugendherberge „Lange Anna“ heißt:... .... Herr... oder Frau... Kn... Knuuut, ja Knut... oder Wilfried... Schmadtke... oder... Schmalke... ach nee, Weber heißt das. Und wohnen tut Herr oder Frau Wilfried Weber am heiligen Höfchen... es könnte auf Häufchen heißen, Nummer 6. Ja 6.
Den herzlichsten Glückwunsch hier aus Erfurt. Und viel viel Freude mit der schönen Reise. So, liebe Zuschauer und Zuschauerinnen. Jetzt, wo die Formalia geklärt sind, möchte ich sie ins schöne Reit im Winkl entführen. Ein Fleckchen deutscher Heimat, wo die Welt noch in Ordnung ist. Und begrüßen sie deshalb jetzt mit mir die vierfache Gewinnerin der volkstümlichen Stimmgabel, sie hat mit 1 ½ Jahren das erste Mal auf der Bühne gestanden – und ist bis heute einer der gefragtesten Stars der Volksmusik. Meine Damen und Herren, ein alter Hase... ach was sag ich, ein ganz alter Hase... ein wahnsinnig alter Hase (angewiderter Blick) im Schaugeschäft – ich freue mich auf: Maria Mösl.
Vorspiel (Playback mit eingespieltem Mitklatschen)
Maria Mösl: Am schönsten ist’s zu Haus
Strophe 1
Es gibt so viele Probleme
in dieser weiten Welt
in Afrika tun’s hungern
und haben goa kei Geld
Im Norden herrscht nur Winter
Australien ist fei zu heiß
In USA gibt’s (zwar) Wolkenkratzer / In USA gibt’s (zwar) Neger
doch kein Edelweiß
Bridge
Drum sag ich, dem vielen Reisen
dem sollt’ man widerstehn
denn dieses ganze Elend da
des will man doch net seh’n
Refrain
Am schönsten ist’s in meinem Herrgottswinkel
wo einst mei Mutterl mich gebor’n
und wo sie mich immer getröstet hat
denn des Paperl war im Kriege ja erfror’n (johudii)
alternativ: Und wo einst der liebe Papa,
meinem Mütterlein die Treue geschwor’n (johudii)
Daheim ist, wo der Berg mich rufen tut
wo selbst a Zieg mi beim Namen nennt
wo das Holz noch vor der Hütt’n ist
und wo a Huhn sein Ei noch kennt
hier will ich sein jahrein, jahraus
denn am schönsten ist’s zu Haus
Carmen Dunst (aus der Gasse kommend und zur quasi abgehenden Maria Mösl sprechend): Ja, unsere liebe alte Maria Mösl. Einen ganz lieben Gruß auch an die Tochter... (wieder nach vorne sprechend) Sie wissen, wen ich meine, die liebe Marianne Mösl, die Tochter von Maria. Sie ist übrigens beim nächsten Mal zu Gast in unserer „Heimat, wie sie singt und klingt“ und zwar mit einer ganz besonderen Überraschung. Ich darf nur soviel verraten: Sie trägt ein wunderbares Geheimnis unter ihrer Brust, aber dazu mehr in der nächsten Sendung.
Denn jetzt kommen wir zu einem weiteren Gast, und auch auf sie freue ich mich außerordentlich. Sie hatte es wahrlich nicht leicht in letzter Zeit. Erst stürzte sie die Trennung von ihrem Blasmusiker Rudi Wetzeler in eine schwere Krise. Und danach stürzte sie beim Dreh zu ihrem Fernsehspecial „Itsy Bitsy Ibiza“ so unglücklich auf einer Kugel Stracciatella aus, dass sie sich zwei Leistenwirbel brach. Doch sie gab nicht auf – noch im Rollstuhl begab sie sich ins Plattenstudio, um ein neues Lied aufzunehmen, ein Lied, das vor neuer Energie nur so strotzt. Endlich ist sie wieder da – Bühne frei für Lorena Cassi und „Die Glocken von San Antonio“.
Lorena Cassi: Die Glocken von San Antonio
Strophe
Sie saß traurig am Laggo Maggiore
ohne Hoffnung und ohne Mut
das Gesehene konnt’ sie nicht mehr vergessen
nun wollt’ sie stürzen sich in die Flut
Vergessen, das Glück und die Liebe
und schuld daran war ihr Mann
als sie heimkam trug der ihr Dirndl
und schaute sich (neugierig) im Spiegel an
Bridge1:
Plötzlich dringt eine Männerstimme an ihr Ohr
wie ein Gebet kommen ihr die Worte vor:
Refrain:
Hörst Du die Glocken von San Antonio
denn sie bringen Dir die Freude zurück
die großen Glocken von San Antonio
wenn sie läuten, dann schenken sie Dir Glück
wie sie schwingen, wie sie schlagen
ihr Geräusch macht jeden froh
sind bekannt am Laggo Maggiore
die Glocken von San Antonio
Bridge2:
Da trocknet sie ihre Tränen
schaut dem Fremden ins Gesicht
doch der öffnet nur seinen Mantel
viel reden braucht der nicht...
Refrain:
Und sie sieht / erblickt
die Glocken von San Antonio
und die bringen ihr die Freude zurück
die großen Glocken von San Antonio
wenn sie läuten, dann schenken sie ihr Glück
wie sie schwingen, wie sie schlagen
ihr Geräusch macht sie nun froh
sind bekannt am Laggo Maggiore
die Glocken von San Antonio
Carmen Dunst (aus der Gasse kommend und zur quasi abgehenden Lorena Cassi sprechend): Naja, so ganz zur alten Form hat sie noch nicht zurückgefunden, aber sie ist ja noch so jung.
Nicht mehr ganz so jung ist die nun folgende Künstlerin. Und auch nicht mehr so hoffnungsfroh. Ich sage das ganz bewusst, denn eine Sendung wie meine muss auch sozialkritischen Menschen eine Chance geben. Dafür habe ich mich ja schon immer eingesetzt, auch vor der Wende schon, aber das gehört hier nicht hin... Nee wirklich, zu „Heimat, wie sie singt und klingt“ gehört eben auch, dass wir Künstlern die Möglichkeit geben, ernstere Töne anzuschlagen – so wie bei der folgenden Sängerin der Fall. Auch wenn ihre Platten im Moment wie Blei in den Regalen liegen und sie selbst auch immer wieder aneckt mit ihren Aussagen... vor kurzem erst geriet sie ja mit den Vertretern des „Vereins nordfriesisches Wattenmeer“ aneinander, als sie auf einer Benefizveranstaltung ihren umstrittenen Protest-Volksmusikschlager „Der Schimmelreiter ist müde“ anstimmte. Ich denke aber, ihre Stimme kann etwas bewirken, und darum präsentiert sie uns heute ihre neue Ballade „Ach lieber Gott“. Und wie sie mir selbst sagte, beschreibt sie in diesem Lied eigene traurige Erfahrungen vom Leben an der Küste.
Begleitet wird sie, wie immer, von den reizenden Lüneburger Kohlmeisen unter der Leitung von Sönke Fleesch. Begrüßen Sie ganz herzlich: Heide Schnuck.
Heide Schnuck und die Lüneburger Kohlmeisen: Ach, lieber Gott
Es war ein eiskalter Morgen am Nordseestrand
Als ein Junge dort den todkranken Seemann fand
Doch er half nicht, ihm fehlte die Zeit
Da frag ich mich, wo bleibt die Menschlichkeit
In einer Welt, wo nur noch Kälte und das Geld regiert
Wo selbst ein Kinderauge jeden Hoffnungsschimmer verliert
Wo das Geschenk der Träume nicht mehr zählt
Und man statt Nächstenliebe die Einsamkeit wählt
Und so bleibt dem kranken Mann nur noch das Meer
Und seine letzten Worte trägt sein Stern hierher
Refrain: Ach lieber Gott, wär‘s doch wieder wie es früher war
Da war’n die Menschen füreinander da
Da wusst noch jeder, was der andere macht
Da gab man aufeinander acht
Da hatt‘ man Hände, um zu helfen
Und Augen, um zu seh’n
Lieber Gott
Früher war das Leben schön
Version 2:
Strophe: Es war man gestern gegen viertel nach acht
Ich hatt‘ mir grad das letzte Krabbenbrot gemacht
Mein Hein, der war mit’n Kudder rausgeforn
Und da gönnt‘ ich mir ‘ne halbe Buddel Korn
Vor unser‘ Heringsbude gab es dann Radau
Wer da stürzte, das war Fietes zweite Frau
Ich ließ mein Brot und auch das Schnapsglas einfach steh’n
Und ging ans Fenster, denn da konnt‘ ich besser seh‘n
Bridge: Draußen blies ‘ne steife Brise, Stärke 12, fast ein Orkan
Und Fietes Frau kroch über’n Gehsteig wie so’n Aal
Zig Matrosen ging‘ vorbei, doch keiner hat mal was getan
Bis auf den Lütten, der die Geldbörse ihr stahl
Vierzig Leute, die nicht halfen, hab‘ ich insgesamt gezählt
Und Fietes Frau die war bald reglos wie so’n Butt
Dann wurd’s dunkel, ich konnt nicht mehr sehn, wie sie sich weiter quält
So ging ich in die Koje, denn watt mutt, dat mutt
Refrain: siehe Version 1
Kritiken:
Süddeutsche Zeitung
"...In April Hailer schlummern viele Talente: Schauspielerin, Sängerin, Komödiantin. Wenn sie zum großen Vergnügen ihres Publikums all diese verquickt und eine Ihrer glänzenden Musikparodien dabei herauskommt, dann kann wenig schiefgehen.
Als Sanges-Star trunken beim Strauß-Couplet, bei dem sie mit Pauli unterm Flügel landet, als überkandidelte Operndiva, die ihren Begleiter anfährt: "Sind Sie Musiker oder Steuerberater?!"; als Moderatorin und Schlagersängerin bei Volksmusiktagen in Erfurt ist April Hailer brillant, und die Zuschauer hält es nicht länger auf den Sitzen.
Für ihre Britney Spears-Parodie "Schlag mich" muss man April Hailer einfach lieben.
Und Christoph Pauli begleitet nicht nur hervorragend, sondern macht jeden Blödsinn mit."
Münchner Merkur
"...Von Christoph Pauli nicht nur am Flügel hervorragend begleitet, begann sie einen Ritt durch die Genres: von der mondsüchtigen Else Bongers aus Berlin, über eine wunderbare Persiflage des Titanic-Titelsongs (bei der eine Windmaschine die zierliche Blonde fast von der Bühne fegte) bis hin zur sächselnden Volksmusikantin, brachte sie das Publikum mit Schwung und handwerklicher Perfektion zum Lachen... Ob singend oder sprechend, wechselt Hailer scheinbar mühelos die Tonlagen, von der Opern-Diva zum Madonna-Verschnitt, von der Blondine mit Piepsstimme zur rasenden Furie. "
"Babyblues"
Tante Lilly
Guido mit Babypuppe mit Heiligenschein.
| Maria: |
Oh, nee, jetzt schreit das Blag schon wieder.
Ich habe ihm jetzt schon dreimal „Jedes Kind kann schlafen lernen“ vorgelesen und es schläft noch immer nicht.
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| Josef: |
Er ist eben nicht jedes Kind.
Er ist der Heiland.
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| Maria: |
Der Highlander!
Das ist ja toll!
Das ist ja großartig.
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| Josef: |
Nein, nicht der Highlander.
Der Heiland.
Der Messias.
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| Maria: |
(enttäuscht) Ach so...
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| Josef: |
Maria, was ist eigentlich los mit Dir?
Du wirkst so unzufrieden.
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| Maria: |
Ach weißt Du, mittlerweile denke ich, es war keine gute Idee Mutter zu werden.
Ich bin einfach zu… ja, zu egoistisch vielleicht.
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| Josef: |
Aber Maria, was ist mit deinem Schöpfungsauftrag?
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| Maria: |
Schöpfungsauftrag, Schöpfungsauftrag, das finde ich aber auch langweilig auf die Dauer.
Das kann doch nicht alles sein.
Ich möchte mich selbst verwirklichen.
Ich möchte was Besonderes machen, was Kreatives, was Verrücktes, was gut Bezahltes:
Ich möchte Fernsehmoderatorin werden.
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| Josef: |
Das Fernsehen ist doch noch gar nicht erfunden.
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| Maria: |
(enttäuscht) Ach so... Immer musst Du mir alles kaputtmachen...
Sag mal, wo ist noch mal diese Babyklappe?
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| Josef: |
Bitte?
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| Maria: |
Na, du weißt schon, wie heißt noch mal dieser Mann, der die Babyklappe an der Tür hat, wo man die Kinder abgeben kann, wenn man sie nicht mehr haben will?
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| Josef: |
Herodes?
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| Maria: |
Genau, Herodes, da hat er es bestimmt gut.
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| Josef: |
Meinst du etwa Herodes den Kindermörder von Bethlehem?
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| Maria: |
Och bitte, jetzt übertreibst du aber wieder.
Immer übertreibst du alles.
Ich hasse das!
Na, o.k., wenn du willst, behalten wir ihn.
Aber – es ist ein Kreuz mit dem Jungen.
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Guido führt die Hände gen Himmel und kreist sein Becken
| Josef: |
Wie schön Maria, Du hast zu Gott zurückgefunden.
Du betest zum Herren.
Er wird Dir verzeihen.
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| Maria: |
Wieso beten? Das sind meine Beckenbodenübungen.
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| Josef: |
Beckenboden?
Damit kenne ich mich nicht aus.
Wozu ist das gut?
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| Maria: |
Mein Beckenboden war durch die Schwangerschaft total ausgeleiert.
Deshalb trainiere ich täglich 2 Stunden meinen Beckenboden.
Ich kann mittlerweile mit dem Beckenboden eine Nuss knacken.
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| Josef: |
Oh was sehe ich, Maria wir müssen uns schnell in Sicherheit bringen... Nimm den Jungen, schnell weg. Von dort drüben torkelt eine heulende und kreischende Frauenhorde auf uns zu.
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| Maria: |
Ach was, das ist doch nur meine Stillgruppe!
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"Frustschutz, Perlen und Säue", Nessi Tausendschön
"Eine Frau namens Wanda", Bernd von Fehrn
"Annette sich wer kann", Sascha Korff
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